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Aktuelles

Amerikaaustausch 2019 - Erfahrungsbericht Suzanna Brucklacher

07.02.2020
Suzanna Brucklacher (KS2) und ihre Austauschpartnerin
Suzanna Brucklacher (KS2) und ihre Austauschpartnerin

von Suzanna Brucklacher/Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Gaildorfer Rundschau

Suzanna Brucklacher berichtet ausführlich über ihre Zeit als Austauschschülerin in Los Angeles:
 
Erste Woche: Es ist noch nicht einmal eine ganze Woche vergangen, und auch wenn die Zeit gleichzeitig langsam und schnell an mir vorbeizieht, habe ich schon so viele Dinge erlebt, die noch lange in meiner Erinnerung bleiben werden. Ich könnte es selbst nicht in Worte fassen, doch ich habe aus einem sehr interessanten Gespräch mit einem Studenten mitgenommen, dass sogar die Leute hier sich an einem kulturellen Zentrum sehen. Es gibt so viel zu sehen, die Stadt ist weltberühmt, und zumindest die Leute, die ich bis jetzt getroffen habe, haben alle einen positiven, offenen Blick auf die Welt und haben mich herzlich aufgenommen.

Die Flüge hierher waren lang, und vorallem der letzte, die fünf Stunden von Washington DC nach Los Angeles, hat mich sehr mitgenommen. Todmüde bin ich durch den Flughafen gelaufen, während sich alles in mir nach einem weichen Bett sehnte. Der erste Eindruck von der Familie war gut, wenn auch nicht besonders ausgeprägt wegen meiner Müdigkeit. Von dem Abend weiß ich nicht mehr viel, ich bin einfach nur ins Bett gefallen und eingeschlafen.
Am nächsten Tag bin ich spät aufgewacht, und auch wenn es eigentlich ein Schultag war, erlaubte mir die Familie einen Tag zum Ausschlafen. Ich habe ihn damit verbracht, noch ein paar notwendige Dinge zu kaufen, die ich nicht aus Deutschland mitgebracht habe, und abends nahm mich meine Austauschschülerin dann noch zu einem Treffen mit ihren Freunden mit, die allesamt sehr höflich und aufgeschlossen waren und es auch noch immer sind. Mit einigen habe ich mich auch schon angefreundet.
Den nächsten Tag verbrachten wir vormittags in der Schule, wo ich noch mehr neue Leute traf und mir den Unterricht anschaute. Die Kurse sind hier in einem 2 Tage Rhythmus, was bedeutet, dass sie jeden zweiten Tag die gleichen Kurse haben. Meine Austauschschülerin spielt Badminton, also habe ich sie zu einem Spiel gegen die Schwesterschule ’Lakewood’ begleitet und angefeuert. Während des Spiels habe ich mich dann mit einzelnen Leuten aus dem Badminton Team unterhalten, die mir In and Out empfahlen, eine Fast Food Kette, die es fast nur in Kalifornien gibt und hier sehr populär ist. Ich wurde auch oft nach den Unterschieden zwischen Deutschland und Amerika gefragt. Der größte und auffälligste, für mich, sind die Autos. Hier sind sie alle groß und eckig, auch ohne, denn die Straßen sind gigantisch, breit, und oft sogar in den Wohngebieten mehrspurig.
Die Freundesgruppe nahm mich nach dem Badmintonspiel also mit zu In and Out, wo ich einen Cheeseburger aß und zum ersten Mal in meinem Leben sehr künstlich schmeckende Kirsch-Sprite trank.
Da noch ein Volleyballspiel mit anderen Leuten aus der Freundesgruppe stattfand, sind wir auch noch da hingegangen und haben zugesehen, während motivierte Eltern mit ausgedruckten Bildern ihrer Kinder wedelten und sie vom Spielfeldrand aus unterstützten.
Freitag fing extra früh für mich an, denn die jüngere Schwester meiner Austauschpartnerin musste zu einer Chorfreizeit. Treffpunkt 5:30 Uhr am Morgen. Meine Austauschschülerin, die ihre Schwester zum Treffpunkt fahren sollte, schlug vor, dass wir danach mit Freunden frühstücken gehen, was wir dann auch taten. Mir war bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst gewesen, wie nah der Strand doch ist, weshalb mich die Gruppe kurzerhand zu einem Sonnenaufgang am Strand brachte. Als wir dann in die Schule kamen fühlte es sich so an, als wäre bereits ein ganzer Tag vergangen.
Gegen Mittag mussten wir auch schon wieder gehen, denn wir hatten unser Gepäck für die Berge, die wir mit einer Jugendgruppe besuchen wollten, noch nicht gepackt. Am Nachmittag fuhren wir dann los, zu viert in einem großen SUV, und diskutierten die ganzen 2,5 Stunden über verschiedenste Dinge.
Die Zeit in den Bergen verbrachte ich damit, zu lernen wie man sich in der Wildnis orientiert und mit einfachen Utensilien überleben kann. Wir schliefen mit 18 anderen Leuten in einer Hütte mit dünnen Wänden, die klar und deutlich für den kalifornischen Sommer gebaut worden war, und froren in der Nacht, aber schon allein das Erlebnis war es mir wert. Als ich dann Montag wieder in der Schule war, war es fast eine ganz andere Welt, in die ich zurückgeschmissen worden war.
 
Zweite Woche:
Zu Beginn der letzten Woche kündigte man mir an, dass am Freitag eine Tanzveranstaltung namens ’Greased Lightning’ stattfinden würde, zu der die deutschen Austauschschüler herzlich eingeladen seinen, aber man müsse den Fünfziger Jahre Dresscode befolgen. Für mich war von Anfang an klar, dass ich kein besonders aufwendiges Outfit tragen würde, denn ein großes, plüschiges Kleid hätte einfach nicht in meinen Koffer gepasst, also besorgten wir mir am Mittwochnachmittag, nach einem mexikanischen Mittagessen, ein leichtes, blaues Kleid, was meine Austauschpartnerin mit ’gerade so 50s genug’ kommentierte. Die Suche war lang und ermüdend, da auch noch drei andere Mädchen aus der Freundesgruppe an diesem Nachmittag auf der Suche nach einem perfekten waren, aber am Ende wusste so ziemlich jeder von uns, was er am Freitag tragen würde.
Der Donnerstagmorgen war eigentlich ganz normal, mit Ausnahme des Literaturkurses, in dem der Lehrer von Impressionismus erzählte und wie allerlei Arten von Künstlern ihn nutzen. Auch wenn das ein ganz normales Unterrichtsthema war, hat mich der Lehrer mit seinem Wissen und seiner Begeisterung für das Thema beeindruckt.
Am Nachmittag stand ein weiteres Badmintonspiel gegen das beste Team im ganzen Schuldistrikt an. Ich konnte zu dem Zeitpunkt bereits besser verstehen, wie Badminton funktioniert, also war es interessanter zuzusehen. Zwischen den Spielen kamen einzelne Schüler immer wieder zu mir, um mit mir zu reden.
Nach dem Spiel sind wir noch zu einer Freundin gegangen und haben Sandwiches gegessen und einen Film geschaut.
Freitags war das große Event: der 50s Tanz. Den ganzen Nachmittag bereiteten wir uns vor und als es dann endlich Zeit war, zu gehen, stellte meine Austauschpartnerin fest, dass sie doch noch lieber ein Top unter ihrem Kleid tragen würde, also durchsuchten wir das ganze Haus, fanden aber keins in einer passenden Farbe. Schließlich lieh ich ihr eins meiner Tops aus und wir verließen das Haus, um noch weitere Leute abzuholen, die jemanden brauchten, der sie zum Schulgelände fährt. Als wir dann endlich ankamen, wurden wir von einer Oldtimer Autoshow begrüßt, mit der man Fotos machen konnte. Da wir aber alle hungrig waren, begaben wir uns zuerst nach drinnen, um zu trinken und zu essen. In die Süßgetränke war noch Kirschsirup gemischt, der sie nur noch süßer machte, und zu den Hotdogs gab es Pommes und Chips. Die Halle, in der der Tanz stattfand, war toll dekoriert mit Luftballons und bunten Postern. Ein Projektor zeigte den Film Grease in Dauerschleife und im Hintergrund lief 50s Musik. Während wir dann draußen waren, um Fotos mit den Autos zu machen, fing drinnen die moderne Musik an und wir kürzten unsere Fotosession ab und gingen wieder hinein. Nachdem wir bis halb zehn getanzt hatten, wollten einige Leute aus der Freundesgruppe noch zu In n Out zu fahren, um dort zu essen.
Am Samstag war ich mittags mit einer Freundin meiner Austauschpartnerin in der Mall einkaufen und am späten Nachmittag mit den restlichen Deutschen von der Millikan High School und ihren amerikanischen Partnern bowlen, was von den Deutschlehrern organisiert worden war.
Für Sonntag hatte mir meine Austauschpartnerin schon angekündigt, dass sie mit ein paar Freunden auf ein Schreibseminar einer ihrer Lieblingsautorinnen gehen würde, während ich mit ihrer kleinen Schwester und einer Freundin einen warmen Tag am Strand genießen würde. Da ich jedoch auch ein großer Fan von dieser Autorin, Maggie Stiefvater, bin und sie eine meiner liebsten Buchserien geschrieben hat, bemühte sich meine Austauschpartnerin darum, mir noch ein Ticket zu besorgen.
Sie überraschte mich dann mit den guten Neuigkeiten, dass ich sie begleiten konnte, am Abend zuvor.
Die Mutter einer Freundin fuhr uns dann nach Downtown LA, wo das Seminar stattfinden sollte. Obwohl die Autorin wegen ihrem Flug zu spät war, habe ich ihr Programm sehr genossen und interessant gefunden, da ich selbst gerne Geschichten schreibe.
Montag war dann wieder weniger aufregend, auch wenn wir kurz am Strand waren, um die Wellen zu beobachten.
 
Dritte Woche:
Der Dienstag war nicht besonders aufregend, vormittags waren wir in der Schule und nachmittags noch beim Badmintontraining.
Am Mittwochmorgen war ich mit der Schwester meiner Austauschpartnerin und einer Freundin frühstücken. Abends fand ein Konzert an der Schule statt, der Chor mit 100 plus Leuten hatte ein Programm zusammengestellt, das wir uns mit ein paar Leuten anschauten. Die Schwester ist Teil der größten Untergruppe des Chors und war für drei Lieder auf der Bühne. Es gab mehrere kleine Gruppen, die Jazzsongs aufführten, außerdem auch noch pure Mädchen- und Jungsgruppen. Das Konzert ging zweieinhalb Stunden und es wurden Preise an besonders engagierte Sänger unter den Schülern vergeben. Nach dem Konzert sind wir in einer kleinen Gruppe noch zu einem Frozen Yoghurt Laden gefahren und haben uns dort jeder einen Becher gekauft.
Donnerstag, mein letzter Schultag in dieser Woche, war auch eher ruhig. Nach der Schule ist das ganze Badmintonteam zusammen essen gegangen, um die beendete Saison zu feiern und die Seniors zu verabschieden.
Ich habe lange geschlafen am Freitag und war gerade so wach genug, um meine Austauschschülerin zu einem Geburtstagslunch zu begleiten. Wir waren gut 10 Leute in einem kleinen Pizzaladen und die Pizza war fantastisch. Nach dem Essen sind wir nach Hause gefahren, um uns Handtücher und Badesachen für den Strand zu holen. Als wir dann jedoch am Strand ankamen, war es uns ein bisschen zu kalt, und wir waren stattdessen nur ein bisschen mit den Füßen im Wasser. Ein kalter Wind ging an diesem Tag, also waren wir froh um unsere Jacken, die wir fast nicht mitgenommen hätten. Wir sind außerdem eine kleine Einkaufsstraße in Seal Beach hinuntergelaufen, wo wir uns Chocolate Chip Cookies und Fußbändchen kauften. Ich fand dort auch endlich Postkarten, die ich an meine Familie schicken wollte. Später sind wir zu einer Freundin gefahren, um dort ihre Haare zu färben und ein paar Filme anzuschauen. Wir übernachteten am Ende bei dieser Freundin.
Zwei kleine Hunde weckten mich am Samstag auf, woraufhin ich die restlichen Leute weckte und wir alle zusammen Kaffee holen gegangen sind. Mittags nahm mich die Mutter mit in einen Buchladen, wo mir meine Austauschschülerin ihre Lieblingsbücher zeigte. Wir verabredeten uns mit Freunden an diesem Abend in einem Diner, wo ich einen leckeren Burger aß.
Am Sonntag musste meine Austauschschülerin Hausaufgaben machen, also verbrachte ich den Tag mit ihrer Schwester, bis wir abends alle zusammen Captain Marvel im Kino anschauten.
Montagmorgen waren wir in einem Park in Seal Brach spazieren und aßen dort Bagles, während wir nach einem alten überwachsenen Spielplatz suchten. 
Dienstag waren wir den ganzen Tag im Disneyland. Morgens mussten wir besonders früh aufstehen, um pünktlich zur Eröffnung des Parks da zu sein. Wir hatten ein knappes Frühstück und machten uns auf den Weg mit ein paar Freunden. Bis knapp 10 Uhr nachts waren wir dort und machten uns dann wieder auf den Heimweg.
 
Vierte Woche:
Meine letzte Woche war etwas ruhiger als die vorherigen, auch wenn mein Rückflug sich etwas verzögert hat. Die Zeit in Amerika war unvergesslich und ich bin extrem dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte, bei diesem Austausch mitzumachen.
Der Mittwoch nach dem Disneyland fing langsam an, denn wir durften alle ausschlafen, nachdem wir am Tag zuvor bis spät abends im Park waren. Wir wussten jedoch, dass wir ein paar Klamotten für Camping am Strand packen mussten und dann gegen Mittag in Richtung San Onofre aufbrechen würden. Der Vater aus einer befreundeten Familie war Soldat im Ruhestand, weshalb er uns mit auf den Militärstützpunkt dort nahm, wo wir auf einem Campingplatz direkt am Strand unsere Zelte aufschlagen konnten. Drei weitere Mädchen schliefen mit mir im Zelt und die Männer in zwei weiteren Zelten. Da der Strand relativ lang war sind wir dort viel herumgewandert und ich habe ein paar Muscheln für meinen Bruder sammeln können, während ich mich mit meiner Austauschschülerin unterhielt. Wir waren gut 10 Minuten von San Clemente entfernt, wo wir abends in einem Pizzashop aßen.
Der nächste Tag bestand hauptsächlich aus Lesen am Strand und Baden im Meer. Abends kochten der Vater und die Schwester meiner Austauschschülerin Gulasch und Knoblauchbrot für die ganze Gruppe, was beides sehr lecker schmeckte.
Freitag verbrachten wir zur Hälfte am Strand und der Rest des Tages war mit Zelte abbauen und Rückkehr nach Hause gefüllt. Da an diesem Tag der letzte Avengers Film erschienen ist, hatte meine Austauschpartnerin schon einige Tage zuvor Tickets für uns bestellt. Die Vorstellung ging um 10:40 Uhr los und wir saßen in der zweiten Reihe, aber der Film war toll und die Stimmen meiner Lieblingsschauspieler und deren Charaktere zum ersten Mal im Kino auf Englisch zu hören war auch eine Erfahrung. 
Am Samstag durfte ich wieder ausschlafen und wir gingen abends auf die Geburtstagsparty eines Mädchens, das Teil der Freundesgruppe meiner Austauschschülerin ist.
Als Sonntag dann kam traf ich die Großmutter meiner Austauschschülerin beim Frühstück und war nachmittags noch bei deutschen Bekannten der Familie, die aus Dortmund stammten.
 Am Montag war ich noch ein letztes Mal in der Schule und hab mich von allen verabschiedet und mich bei der Deutschlehrerin dort dafür bedankt, dass sie den Austausch mit ihrer Schule ermöglicht hat. Nach der Schule sind wir noch zu Shoreline Village gefahren, wo wir die Queen Mary anschauten und Churros aßen.
Die Gastmutter erklärte mir, dass wir am nächsten Tag um 4:15 Uhr das Haus verlassen würden und so stellte ich mir meinen Wecker auf 3:30 Uhr, um noch einmal kurz über meine bereits gepackten Sachen gehen zu können. Wir erreichten den Flughafen um 5 Uhr, ich erhielt meine Boarding Pässe und verabschiedete mich, wobei ein paar Tränen fielen. Etwas später war ich dann durch die Sicherheitskontrolle und begab mich zum Gate, nur um dort eine Stunde vor dem geplanten Boarding gesagt zu bekommen, dass unser Flugzeug fünf Stunden Verspätung haben würde wegen einem technischen Problem. Damit hätten wir in Chicago weniger als eine Stunde gehabt um dort unseren Anschlussflieger zu bekommen.
Kurz nachdem wir dann um 11 Uhr unser Boarding beendet hatten, ergab sich dann noch ein weiteres Problem mit dem Flugzeug und wir mussten alle wieder aussteigen. Somit war unser zweiter Flieger unmöglich zu erreichen.
 Als wir in Chicago landeten, hob unser zweiter Flieger gerade in Richtung Frankfurt ab. Die Fluggesellschaft fand dann nur einen Flug nach Deutschland für 30 Leute in Washington, weshalb wir mit einem späten Flugzeug zwei Stunden dort hinflogen und dort in einem Hotel übernachteten. Unser nächster Flug nach Frankfurt ging am nächsten Tag erst spät abends also hatten wir den ganzen Tag Zeit und besuchten ein Flugzeugmuseum in der Nähe.
 Der letzte Flug verlief glücklicherweise ohne Probleme und als wir dann zurück in Deutschland waren, war die ganze riesige Gruppe von 30 Leuten mehr als nur erleichtert.